30. Juli: Weiß-blauer Salon: Die Geburt des modernen Antisemitismus aus dem Nationalismus
27.07.2009
Am Donnerstag, den 30. Juli 2009 um 20 Uhr im Gewerkschaftshaus, Schwanthalerstraße 64
Der moderne Antisemitismus im Unterschied zum religiös motivierten
Antijudaismus ist nationaler Antisemitismus, der „das jüdische Volk“
vorstellt als in einem nationalen Gegensatz gegen die „nichtjüdische
Menschheit“ (so Henry Ford) im Sinne „schaffender Völker“ (so Gottfried
Feder) stehend. Es soll gezeigt werden, wie in der
rheinbündisch-preußischen Reformära 1806-1815 mit dem von Arndt,
Fichte, Jahn sowie der politischen Romantik im zutiefst reaktionären
Widerstand gegen Napoleon begründeten deutschen Nationalismus ein solch
(früh-)moderner Antisemitismus entsteht, der sich nach dem Wiener
Kongreß in einer Flut von antisemitischen Traktaten und schließlich den
Hep-Hep-Pogromen von 1819 äußert.
Für diesen frühmodernen Antisemitismus ist Engels` Diktum, der
Antisemitismus sei nichts als „eine Reaktion mittelalterlicher,
untergehender Gesellschaftsschichten gegen die moderne Gesellschaft“
gewiß vollgültig – nicht aber für den eigentlich modernen
Antisemitismus nach 1871, der vielmehr die kapitalistische Produktion
und ihre von Marx in Band 3 des Kapitals analysierten
Erscheinungsformen zum Fundament hat, indem er einen „tiefen
Wesensunterschied“ (so Feder) zwischen industriellem und zinstragendem
Kapital behauptet. So wahnhaft die Affirmation des ersteren im Sinne
der „volksgemeinschaftlichen Arbeitsfront“ und die Denunziation des
letzteren als „jüdisch-raffend“ erscheint, so ideologisch und also
alltäglich ist die zugrundeliegende Trennung beider – das aktuelle
Gerede von „Realwirtschaft“ als dem einen und „Finanzsphäre“ als dem
angeblich ganz anderen beweist es.
Am Donnerstag, den 30. Juli 2009 um 20 Uhr im Gewerkschaftshaus, Schwanthalerstraße 64

