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Über den Vatikan nach Südamerika

Die Flucht von Nazikriegsverbrechern nach 1945. Nach der militärischen Niederlage des so genannten Dritten Reiches und der beginnenden Entnazifizierung durch die Alliierten flohen viele NazikriegsverbrecherInnen aus Angst vor juristischer Verfolgung ins Ausland. Besonders viele gingen nach Südamerika, vor allem nach Argentinien, aber auch nach Chile, Paraguay, Uruguay und andere Länder.

Wenig bekannt ist dabei, dass viele der Nazis mit Hilfe des Vatikans ausreisen konnten. Der österreichische Bischof Alois Hudal organisierte die so genannte „Rattenlinie“ (auch als Klosterroute bekannt), indem er NaziverbrecherInnen in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz falsche Pässe beschaffte und sie finanziell bei ihrer Ausreise unterstütze. Hudal sah sich veranlasst „nach 1945 meine ganze karitative Arbeit in erster Linie den früheren Angehörigen des NS und Faschismus, besonders den so genannten >Kriegsverbrechern< zu weihen, die […] verfolgt wurden“ und für ihn „vielfach persönlich ganz schuldlos waren“.   Auf diese Weise konnten viele Angehörige der SS, aber auch der faschistischen Ustascha aus Kroatien nach Lateinamerika flüchten. Unter ihnen Adolf Eichmann (der die Vernichtung von Millionen von Menschen durchgeführt hatte); die KZ-KommandantInnen Franz Stangl, Joseph Schwammberger, sowie Nada und Dinko Sakic; Walter Rauff (der die Gaswagen zur Ermordung Hunderttausender entwickelt hatte); Josef Mengele (der Arzt von Auschwitz); Klaus Barbie (der Schlächter von Lyon); Kurt Christmann (der Kommandant des Sonderkommandos 10a); der Massenmörder Erich Priebke, Ivo Rojnica (der Kommandant von Dubrovnik); sowie der Chef des Ustascha-Staates Ante Pavelic, um nur die bekanntesten zu nennen.

Die meisten der genannten KriegsverbrecherInnen flohen zunächst (oder dauerhaft) nach Argentinien, wo sich der Präsident Juan Domingo Perón aktiv für ihre Einwanderung einsetzte. Peron suchte vor allem nach WissenschaftlerInnen (besonders für ein Nuklearprogramm), aber auch nach Militärs zur Unterstützung im Kampf gegen den Kommunismus. Seine Frau Eva Perón (bekannt als Evita) reiste mehrfach nach Europa, um dort frühere NazitäterInnen anzuwerben. In Argentinien arbeiteten viele deutsche Nazis für Mercedes Benz. Dort lebten sie teilweise fast Tür an Tür mit während des Zweiten Weltkrieges geflohenen Jüdinnen und Juden. Einige der Nazis benutzten sogar ihren richtigen Namen. So zum Beispiel Erich Priebke, der offizieller Vertreter der deutschen Landsmannschaft in Bariloche war. Ivo Rojnica hätte sogar der Botschafter von Kroatien werden sollen, was aber durch Proteste verhindert wurde. Er lebt bis heute unbehelligt in Argentinien.

Informationen zum Thema:

  • Gaby Weber Daimler-Benz und die Argentinien-Connection. Von Rattenlinien und Nazigeldern. Hamburg. 2004
  • Daniel Jonah Goldhagen Die katholische Kirche und der Holocaust. Eine Untersuchung über Schuld und Sühne. Berlin. 2002 

Aus: AStA-Kalender 2005.

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